Augsburger Allgemeine - Feuilleton regional
16. Juli 2011
Hochschule Absolventen der Fakultät für Gestaltung stellen am Roten Tor ihre Arbeiten aus.
(Auszug)
In einer grandiosen Filmsequenz mit gemalten Hintergründen im Stil der Murnauer Maler und animierter Federzeichnungen erzählt Thomas Müller ganz ohne Worte, aber mit eigens komponierter Musik den Mythos von Apollon und Daphne, die sich wegen seiner Nachstellungen in einen Baum verwandelt. Berninis Skulptur habe ihn dazu angeregt, die Metamorphose in Farbe und Form auszudrücken.
Kulturzeitschrift LeonArt
August/September 2010
Zum roten Leuchtpunkt am Schaufenster, worin die Kunstwerke des 24-jährigen Thomas Müller aus Bad Tölz ausgestellt sind, sollte man hin gehen.
Müller studiert derzeit in Augsburg "Interaktive Medien."
Gezeichnet und gemalt habe er immer schon gerne, sagt er, und dabei fasziniere ihn noch mehr, wenn er Feder- und Pinseltechnik auf einem Bild vereint. "Es sind meine Inspirationsquellen." Und das sollen sie bleiben, auch wenn er später beruflich als Motion-Grafiker zum Film geht. Seine Arbeiten sind filigran und mit luftiger Leichtigkeit. Er lässt die Grundformen, Linie für Linie, einfach entstehen. "Nach ein paar Strichen, weiß ich dann, wie das Bild am Ende heißen wird." So zum Beispiel entstand ein paradiesischer Vogel, auf dem eine Figur sitzt wie ein Gardesoldat. Das Bild heißt "der Vogelreiter." Auf der Kunstmeile wird der junge Künstler neue Arbeiten präsentieren. Er ist heuer zum ersten Mail dabei.
AND MAGAZINE
2009
Herr Müller, unseren Angaben nach sind Sie ja erst 23 Jahre alt. Wann haben Sie das erste Mal Ihr Talent für die Malerei bemerkt/entdeckt? Oder haben Sie es selbst gar nicht bemerkt?
Ich habe mich schon immer für die Kunst interessiert und schon in frühen Jahren angefangen zu malen und zu zeichnen. 2003 habe ich dann den Tipp bekommen, dass es bei mir in der Nähe die Mal- und Zeichenakad- emie Enrico Richter gibt. Herr Richter und mein damaliger Kunstlehrer haben auf mich eingewirkt und mir nahegelegt an die Fachoberschule für Gestaltung nach München zu wechseln. Natürlich haben mir auch meine Familie und meine Freunde geholfen, mein Tal- ent zu fördern.
Wer hat Sie in dieser Zeit gefördert?
Ich bin vor allem Herrn Richter dankbar, dass er mich in der Zeit in der Malerei und der freien Grafik so unterstützt und gefördert hat. Natürlich bin ich auch meinen Eltern und Bekannten dankbar, dass sie mich in der Zeit gefördert und unterstützt haben.
Wann hatten Sie ihre erste Ausstellung?
2007 hatte ich meine erste Ausstellung in der Fachklinik Gaißach. Dort habe ich in einem kleinen Raum 10 Bilder von mir ausgestellt. Im Rahmen der dortigen ‘Gaißacher Tage’, einem Ärzte-Treffen, wurde es mir in meiner damaligen Zivildienststelle ermöglicht einige Bilder auszustellen.
Haben Sie weitere Ausstellungen vor?
Ich habe erst letztes Jahr eine 2-monatige Ausstellung in der Raiffeisenbank Holzkirchen veranstaltet. Dort hatte ich genügend Platz zur Verfügung und so war es mir möglich um die 30 Bilder auszustellen. In diesem Jahr werde ich in einem Krankenhaus in Niederbayern ausstellen.
In Ihren Werken kann man deutlich den Einfluss von Kubismus, sowie vielen anderen Stilen spüren. Welcher Künstler hat Sie in Ihrem eigenen Schaffen am Meisten auf dem Weg Ihren eigenen Stil zu finden beeinflusst?
Ich befinde mich in einer Experimentierphase; Ich beschäftige mich mit vielen, sehr unterschiedlichen Stilen, kombiniere und jongliere mit ihnen, um so meinen eigenen Stil zu finden.
Beeinflusst wurde ich aber vor allem von Kandinsky, zumindest was die Farbkomposition und die Ausdrucksstärke von einfachen Elementen betrifft. Des Weiteren hat mich Dali sehr geprägt, wenn es heißt Unmögliches zu verbinden und neues zu schaffen. Einfluss auf mich haben auch Künstler wie Franz Marc, sowie die Illustratoren Alan Lee und John Howe.
Was zeichnet Kandinsky aus und was macht ihn so besonders im Vergleich zu all den anderen Künstlern?
Kandinsky schafft es mit wenigen Elementen das auszudrücken, was er will. Seine Farben in der Malerei haben eine unfassbare Tiefe und einen Ausdruck, dass man sich darin regelrecht verliert. In der Grafik schafft er es mit einzelnen Strichen und einfachen geometrischen Formen interessante Kompositionen zu entwerfen. Betrachtet man diese fällt es zunächst schwer sich zu orientieren, da man gar nicht weiß wo man zuerst hinschauen will.
Was ist Ihr Lieblingsbild von Kandinsky?
Das ist eine sehr schwierige Frage, aber was mich am meisten fasziniert hat auf der diesjährigen Kandinsky-Ausstellung war das Bild ‘Auf Weiß II’ aus dem Jahr 1923. Diese Farbkompositionen und Elemente, die Kandinsky in diesem Bild vereint und vor allem der zentrale Aspekt der Elemente haben es in sich. Im Gegensatz zu einigen anderen Bildern von ich, entsteht hier ein Bild das stark zusammenhängende Elemente besitzt.
Haben Sie einen Stil oder eine Kunstrichtung die Sie besonders beeinflusst hat? Wie ist es im Moment?
Ich bin ein großer Fan von Illustratoren und Concept Artists. Gleichgültig ob es am PC entstandene oder gezeichnete bzw. gemalte Darstellungen sind. Besonders die Künstler Alan Lee und John Howe, die Konzeptzeichnungen für die Herr-der-Ringe-Verfilmung entwarfen, haben mich mit ihren Techniken sehr beeindruckt. Ein weiterer bedeutender Künstler dieser Richtung, ist der Designer und Illustrator Syd Mead. Dieser hat vor allem in der futuristischen Illustration wichtige Zeichen gesetzt, die die heutige Film- szene prägen. Aber mein absoluter Lieblingsillustrator ist im Moment Viktor Antonov. Er war unter anderem für die Konzeption des französischen Filmes ‘Renaissance’ verantwortlich und ist Supervisor von Valve. Ihn habe ich kürzlich auf zwei Vorträgen im Rahmen der FMX 2009, erlebt. Seine Werke, egal ob am PC entstand- en oder gemalt, haben eine solche Tiefe und Ausdrucksstärke, die mich verzaubert.
Welche Rolle spielt Ihre Heimat Bayern in Ihrem Schaffen? Sie stammen ja ursprünglich aus Bad Tölz, was sehr nahe an den Bergen grenzt.
Meine Heimat ist für mich der Ort der Inspiration und der Kreativität. Man kann sich in die Berge, an Seen oder einfach aufs Land zurückziehen und Ideen verwirklichen. Was gibt es besseres, als einfach abseits des Studiums, zu zeichnen oder zu malen. Außer- dem spielen Enrico Richter, meine Familie, Freunde und meine Freundin eine wichtige Rolle in meinem Schaffen, da sie mir bei der Umsetzung mit Rat zur Seite stehen.
Sie haben ja die Fachoberschule in München mit dem Schwerpunkt Kunst besucht. Jetzt befinden Sie sich mitten im Studium? Was hat Sie dazu bewogen Interaktive Medien in Augsburg zu studieren, was ja für den Außenstehenden im ersten Moment nicht so viel mit Kunst zu tun hat?
Der Studiengang Interaktive Medien in Augsburg ist eine Mischung aus dem Studiengang Gestaltung und dem Studiengang Informatik. Er bildet eine Schnittstelle zwischen diesen. Da ich mich im Bereich Bewegtbild spezialisieren will, bietet IAM genau diese Möglichkeit dazu. Ich lerne dort meine Ideen bestmöglich, auch auf der technischen Seite, umzusetzen. Der Studiengang ist einzigartig in Bayern und bietet ein breit gefächertes Angebot von 3D-Animation, 2D-Animation, Webdesign bis hin zu Multimediaprogrammierung. Hier kann ich meine Kreativität auf eine andere Art und Weise ausüben, wie es mir sonst nirgendwo geboten wird. Die digitalen Medien bieten ein weit größeres Spektrum an Möglichkeiten künstlerisch tätig zu sein, als nur auf dem Papier.
Wo sehen Sie sich in der Zukunft? Mehr als Maler in einem Atelier oder als Designer in einer Agentur?
Ganz klar zunächst als Designer in einer Agentur, da man so sicher auf eigenen Füßen stehen kann. Allerdings werde ich meine Malerei niemals aufgeben, sondern nutze sie als willkommener Ausgleich zur Arbeit. Ich will mich andererseits nicht auf eine konkrete Richtung festlegen und mir so offen halten in eine andere Richtung zu gehen bzw. zu wechseln, wie beispielsweise in die Filmbranche.
Warum?
Als freischaffender Künstler ist es in der heutigen Zeit sehr schwer Geld zu verdienen und damit unabhängig leben zu können. Im Multimedia-Bereich und vor allem in der Spiele-Industrie, findet der große Umbruch erst jetzt statt. Um bei solchen Projekten arbeiten zu können, ist es einfacher in einer Agentur tätig zu sein, als im Atelier auf sich alleine gestellt zu sein.
Vielen Dank und noch viel Erfolg für die Zukunft.
Vielen Dank.
Das Interview führte Simon Eitzenberger
Holzkirchener Merkur
11. April 2008
Holzkirchen - In fast allen Stilen und Techniken fühlt er sich zu Hause. Die Bandbreite könnte sich zu seinem Markenzeichen entwickeln. Mit Thomas Müller hat die Raiffeisenbank am Holzkirchner Marktplatz einem jungen Künstler ein Forum geboten, der das Außergewöhnliche in vielen verschiedenen Darstellungsformen sucht. Ob Tusche, Aquarell oder Acryl, auf Holz oder Papier - Müller beherrscht das Handwerkszeug von Malerei und Grafik, besticht durch pompöse Gemälde ebenso wie durch seine Liebe zum Detail.
Seinem Faible für Fantasy-Literatur gibt er in mehreren Bildern Ausdruck und visuelle Kraft. Da wirft die Abendsonne ein märchenhaftes Licht auf J.R.R. Tolkiens Auenland und lässt die Konturen der Landschaft aus dem "Herrn der Ringe" in metaphysischem Glanz erstrahlen. Da stößt aus einem gespenstischen Äther des wabernden Nebels der Turm empor und überragt die geheimnisvoll anmutenden Bergkämme am Horizont. Aber nicht nur Fantasy-Stoff, auch die Welt der griechischen Mythologie taucht in Müllers Bilderreigen auf. Im Kleinformat vergießt die Göttin Athene physisch spürbare Tränen über dem zerstörten Troja.
Seine grosse Stärke entwickelt Müller ohnehin auf kleiner Bühne, mit wenigen, dafür konsequent eingesetzten Gestaltungsmitteln. Die Gesichter seiner "Beduinen" bestechen durch ihre Einzigartigkeit, durch die Ballung psychischer Extreme auf kleinstem Raum. Ineinandergeschachtelt wie Mosaik-Steine, transportiert jede Mimik ihre eigene Geschichte, einen Querschnitt durch die menschlichen Gefühlsregungen. Verschlossen, erstaunt, geheimnisvoll, zuweilen bedrohlich erscheinen diese Gesichter, die trotz ihrer Unterschiede in den Komplementärfarben Violett und Orange in homogenem Gleichgewicht lagern.
In der Kombination der Gestaltungsmittel liegt die besondere Kunst in den Werken Thomas Müllers - wenn er die Kehrseite zeigt und einem reinen Acrylgemälde eine filigrane Kreatur aus monochromer Tusche hinzufügt. Aus einer stilisierten, in Rot und Gelb erglühenden Wüstenlandschaft erwächst zwischen zwei Dünen dieses anmutige Strichgebilde: "Fata Morgana".
So bewegt sich die Ausstellung im Zickzack-Kurs zwischen Stilen und Epochen, um mitunter auch einen Querschnitt in einem Bild zu vereinen. In manchen Werken jedoch bleibt Müller im vorgegebenen Muster, ohne Experiment und Grenzüberschreitung. Ein klassisches Landschaftsaquarell zeigt der "Blick auf den Jaufenpass", der Titel ist Programm bei der "Abstrakten Komposition".
Eindeutig angelehnt an das rätselhafte Traumwerk Salvador Dalís ist das grossformatige Acryl-Gemälde "Glück": Aus einem Klavier rinnt ein Wasserstrahl, darauf thront ein majestätischer Glaspokal - visuelle Metaphern, gegossen in surreales Licht. (oe)
Artikel im Tölzer Kurier
20.04.2007
Gaißach - Atmosphäre einfangen und das Licht besonders in Szene setzen - das ist die künstlerische Zielsetzung der Ausstellung des 21-jährigen Tölzers Thomas Müller in der Gaißacher Kinderfachklinik.Er absolviert dort seinen Zivildienst und möchte danach seine künstlerische Laufbahn an der Fachhochschule München fortsetzen. Einen Abschluss an der Fachoberschule für Gestaltung hat er schon in der Tasche.
"Franz Marc, Kandinsky und Salvador Dalí sind für diese Art von Malen meine Vorbilder", betont er. Seine abstrakten Strichzeichnungen sind bemerkenswert. Sein Handwerk lernte er in der Mal- und Zeichenakademie Enrico Richter in Bichl. "Da habe ich mich auch mit Kubismus, Realismus und Surrealismus auseinander gesetzt." Seine erste Ausstellunge taufte er "Metamorphose" - die Verwandlung. Dass er sich in verschiedenen Kunstrichtungen weiterentwickeln möchte, das steht für ihn außer Zweifel. "Auch Mediendesign in Richtung Film und Werbung kann ich mir vorstellen."
Erste Sporen verdiente er sich mit der Titelblattgestaltung für die Abschlusszeitung der Realschule Hohenburg 2004 und diverse Karikaturen für die Schülerzeitung des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums in Bad Tölz sowie für die Zeitschrift "Fünf-Seen-Land Aktuell". (hem)